Norwegen Motorradtour


Norwegen Motorrad Tour

Südnorwegen für Genießer – von Fjorden, Fjells und Wasserfällen

Meine 10-tägige Reise nach Norwegen startet in Kiel. Es ist Sonntagmittag und es regnet in Strömen, als ich mich dem Oslokai nähere. Bald mache ich das Fahrzeug des Reiseveranstalters aus, ein paar meiner Mitreisenden haben sich bereits eingefunden und führen offensichtlich muntere Gespräche. „Ob die sich alle kennen?“ Mir wird ein wenig mulmig. Die folgende, herzliche Begrüßung vertreibt dieses Gefühl.

Das Team des Veranstalters verteilt die Fährtickets, unsere Gepäckstücke werden im Begleitfahrzeug untergebracht, danach rücken wir als Gruppe in den riesigen Bauch des Schiffes ein. Unser Tourguide, der sich als Bernd vorgestellt hat, hilft uns beim Verzurren der Motorräder.

Am Abend trifft sich die Gruppe zu einer Kennenlernrunde, in der wir vom Veranstalter auf die nächsten Tage vorbereitet werden. Bevor ich, wohlig müde, in meine Koje falle, ziehe ich noch kurz Résumé: Durchweg nette Leute und ein kompetentes Team. Oslo begrüßt uns am nächsten Morgen mit Sonnenschein und 15 Grad, wer hätte das gedacht? Rund 30 Minuten nach dem Anlegen, rollt die Truppe von Bord. Wir steuern unser Begleitfahrzeug an, verstauen die letzten Gepäckstücke. Kurz winken wir den beiden, die in den nächsten Tagen für unser Wohl sorgen werden, zum Abschied. „Norwegen, wir kommen!“

Erst einmal raus aus Oslo und rauf auf die Europastraße 18. Bernd, unser Tourguide, macht ganz gut Tempo und so bringen wir diesen Abschnitt zügig hinter uns.

Europas schönste Routen: Norwegen

Auf der Strecke immer wieder kleine Nebenstraßen, kleine Ortschaften

Ab jetzt geht es bis zum Mittag über kleine Nebenstrecken, durch kleine Ortschaften mit farbigen Holzhäusern. Ich bin ergriffen von diesen ersten Eindrücken. Bernd führt uns zu einem idyllischen Rastplatz am See, wo unsere „Küchenbullen“ bereits ein Picknick für uns bereithalten. So gestärkt geht die Tour dann weiter durch das Valdres Tal. Die abwechslungsreiche Landschaft dieses Gebirges beginnt mit den hügeligen Wäldern in Begnadalen und führt auf kurvenreichen Strecken hinauf bis zu den schneebedeckten Bergen des Jotunheimen Nationalparks. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir dann unseren ersten Campingplatz. Meine letzten Zweifel bezüglich der Unterbringung verflüchtigen sich. Direkt am Strandefjorden gelegen, etwa 50 Meter vom Wasser entfernt, erwarten uns komfortable Hütten. Unser Gepäck steht bereits vor den Hütten und sogar Erfrischungsgetränke stehen bereit.

Beim Abendessen tauschen wir unsere ersten Eindrücke aus und langsam werden aus den Fremden Freunde. Müdigkeit macht sich bemerkbar und ich werfe einen Blick auf meine Uhr. „23 Uhr? Tickt meine Uhr nicht richtig? Es ist noch immer taghell!“ „Es ist Mittsommer, da wird es nicht dunkel.“ Peinlich! Klar weiß ich das, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt. Die Nacht ist hier wie ein nicht enden wollender Sonnenuntergang. Kurz nach Mitternacht krieche ich in mein Bett. Bereits um 4 Uhr morgens weckt mich die aufgehende Sonne, als wollte sie sagen: „Hey, raus aus den Federn. Sieh mal nach draußen!“ Recht hat sie! Diesen Blick auf den See und die himmlische Ruhe werde ich so schnell nicht vergessen. Genug, ich krieche noch mal unter meine Decke, denn Frühstück gibt es erst um 8 Uhr.

Pünktlich um 9 Uhr sitzen wir im Sattel. Kurze Zeit später eröffnet sich uns der erste Wasserfall, genau das, was ich mit Norwegen verbinde. „Anhalten!“, signalisiere ich unserem Tourguide. Als dieser hört, dass ich an dieser Stelle unbedingt fotografieren will lacht er und sagt „Du wirst noch so viele und vor allem größere Wasserfälle sehen, das musst du jetzt noch nicht in Bildern festhalten“.

Der erste Teil unserer Tour führt uns in das Jotunheimen Gebirge. In Fagernes gestartet bei Sonnenschein und 15 Grad, ging es recht schnell mit ständig anwachsenden Höhenmetern aufwärts.

Mitte Juni und noch so viel Schnee?

Das Thermometer meiner GS zeigt nur noch 12 Grad, die Schneedecken rechts und links der Strecke werden immer dicker. Hallo? Wir haben Mitte Juni und noch so viel Schnee? Beim nächsten Stopp erklärt uns der Tourguide, dass Norwegen den kältesten Mai seit 70 Jahren erlebt hat und deshalb das Frühjahr einen Monat zu spät einsetzt. Ich bin froh, dass die Straßen trotzdem so erstklassig freigeräumt und mit dem Motorrad gut zu befahren sind. Links und rechts der kurvenreichen Route tauchen immer wieder kleine Seen auf, die sich gerade vom Eis befreien.

Wir legen einen kurzen Stopp in Beitostolen, einem kleinen Wintersportort ein, um uns mit einem Kaffee zu wärmen. Ganz ehrlich? Daheim würde mich bei diesen Temperaturen niemand aufs Motorrad locken und ich hasse den Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“ Das Begleitfahrzeug fährt an uns vorbei und für einen klitzekleinen Augenblick neide ich den beiden den sicherlich wohlig warmen Innenraum. „Warmduscher!“, schimpfe ich innerlich. „Weiter geht’s!“ – fortan aufwärts was die Höhenmeter angeht, abwärts auf meiner Temperaturanzeige die, bei 1.400 Metern Höhe angekommen, nur noch 10 Grad meldet. Dank der richtigen Kleidung und den außergewöhnlichen Eindrücken genieße ich jeden Meter. Die Tour verläuft nun weiter durch den Rondane Nationalpark, den ältesten Nationalpark Norwegens. Hier gibt es zehn Berggipfel mit über 1.200 Metern Höhe. Trotz Sonnenschein von oben, will das Thermometer meiner GS nicht die 10 Grad Marke überwinden.

Norwegen Motorrad Tour
Norwegen Motorrad Tour

Nächstes Ziel: die Trollstigen

Die Berge werden immer größer, die Aussichten immer genialer. So habe ich mir Norwegen vorgestellt! Wir mittendrin auf kurvenreichen Straßen, kein Verkehr und hinter jeder Kurve eine neue Überraschung. Unser Tourguide versteht sein Handwerk, wir machen Stopps an wirklich schönen Aussichten. Die heutige Tour endet in Dombås und trotz der richtigen Kleidung bin ich mächtig durchgefroren. Mit den Worten „Tee oder ein Radler“ werden wir in Empfang genommen. „Radler“ antworte ich grinsend, „ich bin doch kein Warmduscher!“.

Der nächste Tag begrüßt uns mit Sonne satt. Heute allerdings starten wir als die typischen Touris und shoppen in dem kleinen, sehr belebten Örtchen Dombås Souvenirs.

Wir sitzen wieder auf und unsere Tour führt nun durch das mit wunderschönen Orten gespickte Romsdal. Das Tal wird zunehmend enger, hinter jeder Kurve bieten sich neue Aussichten und die versprochenen Wasserfälle werden auch immer häufiger, größer und schöner. Unser nächstes Ziel sind die Trollstigen – ein Muss für jeden, der Südnorwegen bereist. Nichts für schwache Nerven, wie sich jetzt zeigt, denn an der steilen Felswand kleben elf Haarnadelkurven mit 12 % Steigung, die hinauf zur Passhöhe auf 850 Metern führen. Diese ohnehin enge Straße müssen wir mit einer Vielzahl von Wohnmobilen teilen, die sich talwärts bewegen und dabei ab und an die gesamte Straßenbreite für sich in Anspruch nehmen. Leitplanken gibt es hier nicht und der Abgrund kommt mir einige Male gefährlich nah. Mein Adrenalinpegel steigt aber auch wegen der grandiosen Aussichten. Fast in jeder Kurve stürzen Wasserfälle in die Tiefe und wieder würde ich gerne einen Moment verweilen, um diese Eindrücke aufzusaugen, was aber in Anbetracht des Verkehrs unmöglich ist.

Oben angekommen entdecke ich unser Begleitfahrzeug und geselle mich dazu. Ein neu gebautes touristisches Informationszentrum und zwei fantastische Aussichtsplattformen direkt über dem Wasserfall Stigfossen, der die Bergwand in Richtung Tal mit tosender Gewalt hinunter rauscht, warten hier auf die Besucher. Ich genieße die Aussicht auf die wohl meistbesuchte Sehenswürdigkeit Norwegens und vor allem die kurvige Passstraße, die ich gerade hinter mich gebracht habe.

In Richtung Geiranger geht es wieder bergauf. Es wird deutlich kühler, unser Weg wird von immer größeren Schneewänden gesäumt. Der letzte Winter hier muss wirklich hart gewesen sein. Bei der Talfahrt nehmen die weißen Wände ab und wie aus dem Nichts taucht sattes Grün auf.

Norwegen Motorrad Tour
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Tourenpause mit Grillabend am Fjord

Es ist, als hätte jemand die Schranke zum Frühling geöffnet. Die Sonne steht hoch und endlich kann ich die Heizgriffe meiner GS abschalten. Ich erliege dem Kurvenzauber entlang glasklarer Fjorde, in denen sich die Berge spiegeln.

Eine kurze Fährüberfahrt über den Nordfjord und schon geht es weiter mit den Kurven. Angekommen auf einer Hochebene bietet sich der Ausblick auf den Geirangerfjord im Sonnenschein, mit tiefblauem Wasser, mittendrin ein vor Anker liegendes Kreuzfahrtschiff. Ich muss schmunzeln, denn dieses Bild erinnert mich an eine Postkarte, die ich im letzten Jahr von Freunden bekommen habe.

Bei der Abfahrt über die elf Spitzkehren der Adlerstraße, auf Norwegisch Ørnevegen genannt, muss ich mich ermahnen den Blick auf die Straße zu richten. Es ist der steilste Abschnitt der Strecke, wo sich die RV 63 von Eisdalen hinab zum Geiranger windet. Ein kurzer Stopp am Aussichtspunkt Ørnesvingen bietet ein beeindruckendes Panorama mit Blick auf den Fjord. Auf der Jagd nach dem ultimativen Urlaubsfoto, tummeln sich hier außer uns auch die Insassen von Reisebussen und Wohnmobilen. Unser Tourguide stoppt am Hafen. Da liegt er uns zu Füßen – der Geirangerfjord mit 15 Kilometern Länge der bekannteste Fjord Norwegens. Seit 2005 zählt dieser herrliche Fleck zum UNESCO Weltkulturerbe. Unser Domizil für die nächsten beiden Tage liegt etwa zwei Kilometer von hier entfernt auf einem Campingplatz direkt am Wasser. Bei Sonnenschein und 20 Grad lassen wir uns von unserem Begleitteam mit einer Gerstenkaltschale verwöhnen.

Grillabend am Fjord. Die Sonne meint es weiterhin gut mit uns. Es gibt norwegischen Lachs in rauen Mengen, da ein paar Angelurlauber sich zu uns gesellen und den reichen Fang des heutigen Tages beisteuern. Weit nach Mitternacht sehen wir, dass das Kreuzfahrtschiff den Anker lichtet. Einige zücken die Kameras um diesen Moment festzuhalten. Kann man das wirklich? Können ein paar Pixel festhalten, was man in dem Moment gerade erlebt? Natürlich greife auch ich zur Kamera und banne den Augenblick auf meine Speicherkarte. Ein neuer Morgen, Sonne satt. Voller Vorfreude auf den Tag, genieße ich mein Frühstück in aller Ruhe direkt am Fjord. Unser Tourguide kündigt für den heutigen Tag das absolute Sahnestück an. „Sahnestück? – was haben wir denn bisher erlebt? Noch besser geht doch gar nicht!“, denke ich.

Heute ist kein Standortwechsel vorgesehen, das Packen der Habseligkeiten fällt aus. Der Tourtag beginnt mit einer Minikreuzfahrt, sprich: Wir setzen mit der Fähre über nach Hellesylt und erleben so von der Wasserseite den engen, 200 Meter tiefen und von 1000 Meter hohen Felsen gesäumten Fjord. Wir sehen die „Sieben Schwestern“, sieben direkt nebeneinander in den Fjord stürzende Wasserfälle, die vom Schmelzwasser aus dem Fjell gespeist werden. Von den Bauernhöfen in den Felswänden sagt man, dass früher die Kinder aus Sicherheitsgründen beim Spielen angeleint wurden.

Kurven, Wasserfälle, Kurven, Wasserfälle – inzwischen weiß ich, dass Bernd mit seiner Ankündigung Recht hatte. Wasserfälle gibt es so immens viele, dass man nicht an jedem anhalten kann. Gegen Mittag setzt Bernd den Blinker und biegt Richtung See ab. Direkt am Strynsvatn, umgeben von einer Landschaft, vergleichbar mit dem Vierwaldstättersee, begrüßt uns das Begleitteam. Der See zeigt sich mit glasklarem Wasser, in dem sich die umliegenden Berge widerspiegeln. Bei einer Postkarte würde ich denken „Alles Photoshop, das kann nicht real sein.“ Ich bin sprachlos und plötzlich ergreift mich eine unbändige Lust. Egal was die Gruppe denkt: ich werfe all meine Klamotten von mir und stürze mich in die Fluten. Die Ernüchterung kommt schnell, denn gefühlte 5 Grad Wassertemperatur sind doch ziemlich kalt, aber das zuzugeben, wäre jetzt echt blöd.

Nach der Mittagspause und einem wärmenden Sonnenbad folgt als weiteres Sahnestückchen ein Ritt über die Gammelstraße und über das Strynefjell. Gammel ist die norwegische Bezeichnung für alt und nach dem Bau einer neuen Umgehungsstraße ist sie eine heute kaum noch genutzte Strecke, erklärt uns Bernd „Es sei denn, du willst Abenteuer erleben wie wir jetzt.“ Kurve für Kurve wird es kälter. Die Skistation, an der wir vorbei fahren, ist noch voll in Betrieb. Kurz danach halten wir. Unser Tourguide erklärt uns, dass es Tradition für jeden Norwegenbesucher ist, aus herumliegenden Steinen Trolle zu bauen. Das soll Glück bringen. Dumm nur, dass die Steine unter der dicken Schneeschicht verborgen sind. Kurzentschlossen bauen wir einen Schneemann, hoffen, dass man uns diesen als Troll durchgehen lässt und das versprochene Glück uns hold ist.

Norwegen Motorrad Tour

Fahrt über’s Sognefjell

Vor unserer Rückkehr zum Camp am Geirangerfjord machen wir Halt am Dalsnibba, dem wegen seiner Aussicht beliebtesten Gipfel südlich des Geirangers. Die mautpflichtige Straße windet sich über sieben Kilometer hoch zum 1.495 Meter hohen Gipfel. Die Aussicht erkaufen wir uns mit 100 NOK pro Motorrad. Mein Fazit: Wer hier unterwegs ist, sollte das auf keinen Fall verpassen! Zurück am Geirangerfjord setze ich mich auf meine Terrasse und lasse den Tourtag Revue passieren.

Auch am nächsten Morgen scheint die Sonne mit aller Kraft und ich fragte mich ernsthaft, warum so viele meiner Bekannten meinen, das Wetter in Norwegen sei immer schlecht. Habe ich einfach nur Glück oder haben die keine Ahnung? Die RV 15 führt uns nach Lom. Hier befindet sich eine der ältesten Stabkirchen Norwegens, urkundlich 1270 erstmals erwähnt und jederzeit eine Besichtigung wert. Das Besondere an den Stabkirchen sind die Holzkonstruktionen, bei denen die horizontal liegenden Balken die Wände bilden.

„Ab jetzt steht eine besonders schöne Strecke auf dem Plan“, verspricht Bernd. „Es geht über das Sognefjell.“ Der Mann macht keine falschen Versprechungen, das weiß ich. Die Route führt 20 Kilometer über das Fjell, welches sich durch seine wellige Streckenführung von vielen anderen abhebt. Die kurvenreiche Straße mit teilweise längeren Geradeausstrecken geht ständig bergauf und bergab. Vom Ende der Gruppe aus gesehen verschwindet eine Maschine nach der anderen in den Senken und taucht sogleich wieder auf. Ein lustiges Schauspiel. Da das Fjell ein perfektes Fotomotiv bietet, hatte das Begleitteam am Morgen angekündigt, Fahraufnahmen von uns zu machen. Wir bewegen uns auf knapp 1.400 Metern Höhe bei 3 Grad und dichtem Nebel, Sichtweite Null. Aus der Traum vom Fahrfoto – das Begleitteam, wenn es denn im dichten Nebel versteckt ist, hat keine Chance. Gelegentlich erspähten wir einzelne Zelte am Rand der Straße. Ich frage mich, wie man bei der Kälte darauf kommt zu zelten – für mich schier undenkbar! „Bei Sonnenschein ist es hier sicher wunderschön“, denke ich und versuche mich mit dem Gedanken an wärmende Sonne von meinen halberfrorenen Fingern abzulenken. Am Ende des Fjells ist die Welt wieder in Ordnung – es gibt Tee und Kaffee, die Temperaturen bewegen sich wieder im 2-stelligen Bereich.

„Von hier aus sind es nur noch 20 Kilometer bis zum nächsten Domizil für diese Nacht“, erfahren wir. Die Temperaturanzeige meiner GS steigt stetig an, blauer Himmel und Sonnenschein pur begrüßen uns so, als wäre es den ganzen Tag nicht anders gewesen. Die letzten Kilometer führen uns entlang dem Lustrafjord mit seinem ruhigen, glasklaren Wasser und hier liegt auch unsere Bleibe für heute. Wie gehabt: Hütte mit mehr Blick – also, auf den See gerichtet – nur so ruhig, wie in den letzten Nächten wird es nicht sein. Ein gigantischer Wasserfall am Ende des Fjordes sorgt hier für „Ökolärm“.

Hätten wir doch Steine für den Trollbau suchen sollen? Am Morgen ist der Himmel bewölkt. Ich lege die Regenkombi parat und denke „Es gibt kein schlechtes Wetter …“. Das erste Ziel des Tages erreichen wir bereits nach 30 Minuten. Es ist der Nigardsbreen, eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen, des größten europäischen Festlandgletschers. Anfang des 19. Jahrhunderts bildete sich diese Gletscherzunge zurück und damit entstand ein großer Eisstausee. Um möglichst nah an die Gletscherzunge zu gelangen, nehmen wir die mautpflichtige Zufahrtstraße und dann ein Boot über den See. Gletscher kenne ich von Bildern. Jetzt hier davor zu stehen und das blaue Eis von Jahrhunderten zu berühren ist schon beeindruckend. Zurück am Parkplatz geht es weiter auf der RV 55 nach Hella.

Mit dem Motorrad durch Europas längsten Tunnel

Hier wollen wir mit der Fähre nach Vangsnes übersetzen. Tja, ein wenig zu lange getrödelt. Die Fähre, die Bernd geplant hat, sehen wir gerade noch ablegen. Eine Stunde Wartezeit wäre nicht so schlimm, wenn nicht das Begleitteam auf der anderen Seite des Sees mit dem Picknick auf uns warten würde. Der Himmel zieht zu und es fängt an zu regnen. Nass und verspätet treffen wir auf Speis und Trank, Gott sei Dank. Eine warme Suppe und frischer Kaffee verleihen uns neuen Schwung. Jetzt kann das Kulturprogramm kommen! Wir befinden uns am Fridtjof-Denkmal, direkt am Sognefjord gelegen. Das gigantische Monument, erschaffen vom deutschen Bildhauer Max Unger, ist ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II. an die Norweger.

Jetzt liegen noch 150 Kilometer bis zum nächsten Campingplatz vor uns und es regnet weiter, wenn auch nicht mehr ganz so heftig. Aufgrund der Wetterbedingungen schlägt Bernd den bequemeren, weil trockenen, Weg durch den Lærdalstunnel, mit 24,5 Kilometern Europas längstem Tunnel, vor. Konstante 19 Grad und eine Besonderheit verspricht er uns. „Im Tunnel gibt es, immer im Abstand von 8 Kilometern, Grotten, die als Nothaltebucht und für Wendemanöver bei Gefahr dienen. Außergewöhnlich ist, dass diese farbig beleuchtet sind. Man bietet dem Auge Abwechslung und schützt so vor dem Tunnelblick“ lernen wir.

Wir übernachten am Lærdalsfjord. Seit sechs Tagen sind wir nun unterwegs, mehr als die Hälfte der Reise. Wichtiger ist aber, was noch vor mir liegt. Am Folgetag erfahren wir die alte „Historic Route“ in Richtung Borgund, eine kleine, schmale und vor allem kurvenreiche Straße durch Felsklippen. Im Anschluss lockt uns die Stalheimskleiva, eine Schlucht, die früher Teil der alten Poststraße war. Hier windet sich die Fahrbahn mit 18 % Gefälle und endlosen Spitzkehren in die Tiefe. „Nichts für schwache Nerven“, mahnt der Guide und bietet denen, die sich das nicht zutrauen, die Umfahrung über die E 16 an. Heute Abend kehren wir an den Platz zurück, an dem wir die erste Nacht der Reise verbracht haben. Je weiter wir nach Süden kommen, desto besser wird das Wetter. In geselliger Runde verbringen wir den letzten Abend in diesem Land. Ein letzter Abend an dem die Sonne nicht untergeht.

Es gilt, Abschied zu nehmen. Von den Menschen, die zu Reisebeginn Fremde waren und die nun Freunde sind und von dem Land in das ich zurückkehren werde, um dann auf einer anderen Tour, die Lofoten und das Nordkap für mich zu entdecken.

Ein Bröckchen norwegisch habe ich gelernt: „Tusen Takk“, was so viel heißt wie „Tausend Dank“.

„Tusen Takk“ also dem Team von ALMOTO für die Organisation und die Betreuung und vielen Dank an Bernd, der uns begleitet und unser Wissen um dieses Land bereichert hat. „Farvel“ – das heißt „ Auf Wiedersehen“.

Hinweis: Die geführte Tour wurde vom Reiseveranstalter „Almoto“ organisiert.

Text: Manuela Wollny / Elke Schäfer
Fotos: Manuela Wollny

MSD

Weiteres Tourenmaterial

Hinweis zum Kartenmaterial

Um die Nachfahrbarkeit unserer Tourenvorschläge zu gewährleisten, bieten die hier angebotenen gpx-Downloads eine hohe Wegpunktdichte und sind mit dieser Datenmenge nicht auf jedem Navisystem direkt darstellbar. Zur Bearbeitung kannst du diese gpx-Dateien in das für dein Navigationsgerät passende Routenprogramm importieren und dann in für das Gerät verdauliche Portionen aufteilen. Die endgültige Dateigröße ist dann abhängig vom Navi-Modell und der zugehörigen Software-Version. Solltest du keine Routensoftware besitzen, lässt sich diese Datei auch in den gängigen Online-Routensystemen bearbeiten. Diese bieten für nahezu alle Geräte auf dem Markt die passenden Konvertierungstools.

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