Norwegen Motorradtour


Norwegen Motorrad Tour

SĂŒdnorwegen fĂŒr Genießer – von Fjorden, Fjells und WasserfĂ€llen

Meine 10-tĂ€gige Reise nach Norwegen startet in Kiel. Es ist Sonntagmittag und es regnet in Strömen, als ich mich dem Oslokai nĂ€here. Bald mache ich das Fahrzeug des Reiseveranstalters aus, ein paar meiner Mitreisenden haben sich bereits eingefunden und fĂŒhren offensichtlich muntere GesprĂ€che. „Ob die sich alle kennen?“ Mir wird ein wenig mulmig. Die folgende, herzliche BegrĂŒĂŸung vertreibt dieses GefĂŒhl.

Das Team des Veranstalters verteilt die FĂ€hrtickets, unsere GepĂ€ckstĂŒcke werden im Begleitfahrzeug untergebracht, danach rĂŒcken wir als Gruppe in den riesigen Bauch des Schiffes ein. Unser Tourguide, der sich als Bernd vorgestellt hat, hilft uns beim Verzurren der MotorrĂ€der.

Am Abend trifft sich die Gruppe zu einer Kennenlernrunde, in der wir vom Veranstalter auf die nĂ€chsten Tage vorbereitet werden. Bevor ich, wohlig mĂŒde, in meine Koje falle, ziehe ich noch kurz RĂ©sumĂ©: Durchweg nette Leute und ein kompetentes Team. Oslo begrĂŒĂŸt uns am nĂ€chsten Morgen mit Sonnenschein und 15 Grad, wer hĂ€tte das gedacht? Rund 30 Minuten nach dem Anlegen, rollt die Truppe von Bord. Wir steuern unser Begleitfahrzeug an, verstauen die letzten GepĂ€ckstĂŒcke. Kurz winken wir den beiden, die in den nĂ€chsten Tagen fĂŒr unser Wohl sorgen werden, zum Abschied. „Norwegen, wir kommen!“

Erst einmal raus aus Oslo und rauf auf die Europastraße 18. Bernd, unser Tourguide, macht ganz gut Tempo und so bringen wir diesen Abschnitt zĂŒgig hinter uns.

Europas schönste Routen: Norwegen

Auf der Strecke immer wieder kleine Nebenstraßen, kleine Ortschaften

Ab jetzt geht es bis zum Mittag ĂŒber kleine Nebenstrecken, durch kleine Ortschaften mit farbigen HolzhĂ€usern. Ich bin ergriffen von diesen ersten EindrĂŒcken. Bernd fĂŒhrt uns zu einem idyllischen Rastplatz am See, wo unsere „KĂŒchenbullen“ bereits ein Picknick fĂŒr uns bereithalten. So gestĂ€rkt geht die Tour dann weiter durch das Valdres Tal. Die abwechslungsreiche Landschaft dieses Gebirges beginnt mit den hĂŒgeligen WĂ€ldern in Begnadalen und fĂŒhrt auf kurvenreichen Strecken hinauf bis zu den schneebedeckten Bergen des Jotunheimen Nationalparks. Gegen 17.30 Uhr erreichen wir dann unseren ersten Campingplatz. Meine letzten Zweifel bezĂŒglich der Unterbringung verflĂŒchtigen sich. Direkt am Strandefjorden gelegen, etwa 50 Meter vom Wasser entfernt, erwarten uns komfortable HĂŒtten. Unser GepĂ€ck steht bereits vor den HĂŒtten und sogar ErfrischungsgetrĂ€nke stehen bereit.

Beim Abendessen tauschen wir unsere ersten EindrĂŒcke aus und langsam werden aus den Fremden Freunde. MĂŒdigkeit macht sich bemerkbar und ich werfe einen Blick auf meine Uhr. „23 Uhr? Tickt meine Uhr nicht richtig? Es ist noch immer taghell!“ „Es ist Mittsommer, da wird es nicht dunkel.“ Peinlich! Klar weiß ich das, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt. Die Nacht ist hier wie ein nicht enden wollender Sonnenuntergang. Kurz nach Mitternacht krieche ich in mein Bett. Bereits um 4 Uhr morgens weckt mich die aufgehende Sonne, als wollte sie sagen: „Hey, raus aus den Federn. Sieh mal nach draußen!“ Recht hat sie! Diesen Blick auf den See und die himmlische Ruhe werde ich so schnell nicht vergessen. Genug, ich krieche noch mal unter meine Decke, denn FrĂŒhstĂŒck gibt es erst um 8 Uhr.

PĂŒnktlich um 9 Uhr sitzen wir im Sattel. Kurze Zeit spĂ€ter eröffnet sich uns der erste Wasserfall, genau das, was ich mit Norwegen verbinde. „Anhalten!“, signalisiere ich unserem Tourguide. Als dieser hört, dass ich an dieser Stelle unbedingt fotografieren will lacht er und sagt „Du wirst noch so viele und vor allem grĂ¶ĂŸere WasserfĂ€lle sehen, das musst du jetzt noch nicht in Bildern festhalten“.

Der erste Teil unserer Tour fĂŒhrt uns in das Jotunheimen Gebirge. In Fagernes gestartet bei Sonnenschein und 15 Grad, ging es recht schnell mit stĂ€ndig anwachsenden Höhenmetern aufwĂ€rts.

Mitte Juni und noch so viel Schnee?

Das Thermometer meiner GS zeigt nur noch 12 Grad, die Schneedecken rechts und links der Strecke werden immer dicker. Hallo? Wir haben Mitte Juni und noch so viel Schnee? Beim nĂ€chsten Stopp erklĂ€rt uns der Tourguide, dass Norwegen den kĂ€ltesten Mai seit 70 Jahren erlebt hat und deshalb das FrĂŒhjahr einen Monat zu spĂ€t einsetzt. Ich bin froh, dass die Straßen trotzdem so erstklassig freigerĂ€umt und mit dem Motorrad gut zu befahren sind. Links und rechts der kurvenreichen Route tauchen immer wieder kleine Seen auf, die sich gerade vom Eis befreien.

Wir legen einen kurzen Stopp in Beitostolen, einem kleinen Wintersportort ein, um uns mit einem Kaffee zu wĂ€rmen. Ganz ehrlich? Daheim wĂŒrde mich bei diesen Temperaturen niemand aufs Motorrad locken und ich hasse den Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.“ Das Begleitfahrzeug fĂ€hrt an uns vorbei und fĂŒr einen klitzekleinen Augenblick neide ich den beiden den sicherlich wohlig warmen Innenraum. „Warmduscher!“, schimpfe ich innerlich. „Weiter geht’s!“ – fortan aufwĂ€rts was die Höhenmeter angeht, abwĂ€rts auf meiner Temperaturanzeige die, bei 1.400 Metern Höhe angekommen, nur noch 10 Grad meldet. Dank der richtigen Kleidung und den außergewöhnlichen EindrĂŒcken genieße ich jeden Meter. Die Tour verlĂ€uft nun weiter durch den Rondane Nationalpark, den Ă€ltesten Nationalpark Norwegens. Hier gibt es zehn Berggipfel mit ĂŒber 1.200 Metern Höhe. Trotz Sonnenschein von oben, will das Thermometer meiner GS nicht die 10 Grad Marke ĂŒberwinden.

Norwegen Motorrad Tour
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NĂ€chstes Ziel: die Trollstigen

Die Berge werden immer grĂ¶ĂŸer, die Aussichten immer genialer. So habe ich mir Norwegen vorgestellt! Wir mittendrin auf kurvenreichen Straßen, kein Verkehr und hinter jeder Kurve eine neue Überraschung. Unser Tourguide versteht sein Handwerk, wir machen Stopps an wirklich schönen Aussichten. Die heutige Tour endet in DombĂ„s und trotz der richtigen Kleidung bin ich mĂ€chtig durchgefroren. Mit den Worten „Tee oder ein Radler“ werden wir in Empfang genommen. „Radler“ antworte ich grinsend, „ich bin doch kein Warmduscher!“.

Der nĂ€chste Tag begrĂŒĂŸt uns mit Sonne satt. Heute allerdings starten wir als die typischen Touris und shoppen in dem kleinen, sehr belebten Örtchen DombĂ„s Souvenirs.

Wir sitzen wieder auf und unsere Tour fĂŒhrt nun durch das mit wunderschönen Orten gespickte Romsdal. Das Tal wird zunehmend enger, hinter jeder Kurve bieten sich neue Aussichten und die versprochenen WasserfĂ€lle werden auch immer hĂ€ufiger, grĂ¶ĂŸer und schöner. Unser nĂ€chstes Ziel sind die Trollstigen – ein Muss fĂŒr jeden, der SĂŒdnorwegen bereist. Nichts fĂŒr schwache Nerven, wie sich jetzt zeigt, denn an der steilen Felswand kleben elf Haarnadelkurven mit 12 % Steigung, die hinauf zur Passhöhe auf 850 Metern fĂŒhren. Diese ohnehin enge Straße mĂŒssen wir mit einer Vielzahl von Wohnmobilen teilen, die sich talwĂ€rts bewegen und dabei ab und an die gesamte Straßenbreite fĂŒr sich in Anspruch nehmen. Leitplanken gibt es hier nicht und der Abgrund kommt mir einige Male gefĂ€hrlich nah. Mein Adrenalinpegel steigt aber auch wegen der grandiosen Aussichten. Fast in jeder Kurve stĂŒrzen WasserfĂ€lle in die Tiefe und wieder wĂŒrde ich gerne einen Moment verweilen, um diese EindrĂŒcke aufzusaugen, was aber in Anbetracht des Verkehrs unmöglich ist.

Oben angekommen entdecke ich unser Begleitfahrzeug und geselle mich dazu. Ein neu gebautes touristisches Informationszentrum und zwei fantastische Aussichtsplattformen direkt ĂŒber dem Wasserfall Stigfossen, der die Bergwand in Richtung Tal mit tosender Gewalt hinunter rauscht, warten hier auf die Besucher. Ich genieße die Aussicht auf die wohl meistbesuchte SehenswĂŒrdigkeit Norwegens und vor allem die kurvige Passstraße, die ich gerade hinter mich gebracht habe.

In Richtung Geiranger geht es wieder bergauf. Es wird deutlich kĂŒhler, unser Weg wird von immer grĂ¶ĂŸeren SchneewĂ€nden gesĂ€umt. Der letzte Winter hier muss wirklich hart gewesen sein. Bei der Talfahrt nehmen die weißen WĂ€nde ab und wie aus dem Nichts taucht sattes GrĂŒn auf.

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Tourenpause mit Grillabend am Fjord

Es ist, als hĂ€tte jemand die Schranke zum FrĂŒhling geöffnet. Die Sonne steht hoch und endlich kann ich die Heizgriffe meiner GS abschalten. Ich erliege dem Kurvenzauber entlang glasklarer Fjorde, in denen sich die Berge spiegeln.

Eine kurze FĂ€hrĂŒberfahrt ĂŒber den Nordfjord und schon geht es weiter mit den Kurven. Angekommen auf einer Hochebene bietet sich der Ausblick auf den Geirangerfjord im Sonnenschein, mit tiefblauem Wasser, mittendrin ein vor Anker liegendes Kreuzfahrtschiff. Ich muss schmunzeln, denn dieses Bild erinnert mich an eine Postkarte, die ich im letzten Jahr von Freunden bekommen habe.

Bei der Abfahrt ĂŒber die elf Spitzkehren der Adlerstraße, auf Norwegisch Ørnevegen genannt, muss ich mich ermahnen den Blick auf die Straße zu richten. Es ist der steilste Abschnitt der Strecke, wo sich die RV 63 von Eisdalen hinab zum Geiranger windet. Ein kurzer Stopp am Aussichtspunkt Ørnesvingen bietet ein beeindruckendes Panorama mit Blick auf den Fjord. Auf der Jagd nach dem ultimativen Urlaubsfoto, tummeln sich hier außer uns auch die Insassen von Reisebussen und Wohnmobilen. Unser Tourguide stoppt am Hafen. Da liegt er uns zu FĂŒĂŸen – der Geirangerfjord mit 15 Kilometern LĂ€nge der bekannteste Fjord Norwegens. Seit 2005 zĂ€hlt dieser herrliche Fleck zum UNESCO Weltkulturerbe. Unser Domizil fĂŒr die nĂ€chsten beiden Tage liegt etwa zwei Kilometer von hier entfernt auf einem Campingplatz direkt am Wasser. Bei Sonnenschein und 20 Grad lassen wir uns von unserem Begleitteam mit einer Gerstenkaltschale verwöhnen.

Grillabend am Fjord. Die Sonne meint es weiterhin gut mit uns. Es gibt norwegischen Lachs in rauen Mengen, da ein paar Angelurlauber sich zu uns gesellen und den reichen Fang des heutigen Tages beisteuern. Weit nach Mitternacht sehen wir, dass das Kreuzfahrtschiff den Anker lichtet. Einige zĂŒcken die Kameras um diesen Moment festzuhalten. Kann man das wirklich? Können ein paar Pixel festhalten, was man in dem Moment gerade erlebt? NatĂŒrlich greife auch ich zur Kamera und banne den Augenblick auf meine Speicherkarte. Ein neuer Morgen, Sonne satt. Voller Vorfreude auf den Tag, genieße ich mein FrĂŒhstĂŒck in aller Ruhe direkt am Fjord. Unser Tourguide kĂŒndigt fĂŒr den heutigen Tag das absolute SahnestĂŒck an. „SahnestĂŒck? – was haben wir denn bisher erlebt? Noch besser geht doch gar nicht!“, denke ich.

Heute ist kein Standortwechsel vorgesehen, das Packen der Habseligkeiten fĂ€llt aus. Der Tourtag beginnt mit einer Minikreuzfahrt, sprich: Wir setzen mit der FĂ€hre ĂŒber nach Hellesylt und erleben so von der Wasserseite den engen, 200 Meter tiefen und von 1000 Meter hohen Felsen gesĂ€umten Fjord. Wir sehen die „Sieben Schwestern“, sieben direkt nebeneinander in den Fjord stĂŒrzende WasserfĂ€lle, die vom Schmelzwasser aus dem Fjell gespeist werden. Von den Bauernhöfen in den FelswĂ€nden sagt man, dass frĂŒher die Kinder aus SicherheitsgrĂŒnden beim Spielen angeleint wurden.

Kurven, WasserfĂ€lle, Kurven, WasserfĂ€lle – inzwischen weiß ich, dass Bernd mit seiner AnkĂŒndigung Recht hatte. WasserfĂ€lle gibt es so immens viele, dass man nicht an jedem anhalten kann. Gegen Mittag setzt Bernd den Blinker und biegt Richtung See ab. Direkt am Strynsvatn, umgeben von einer Landschaft, vergleichbar mit dem VierwaldstĂ€ttersee, begrĂŒĂŸt uns das Begleitteam. Der See zeigt sich mit glasklarem Wasser, in dem sich die umliegenden Berge widerspiegeln. Bei einer Postkarte wĂŒrde ich denken „Alles Photoshop, das kann nicht real sein.“ Ich bin sprachlos und plötzlich ergreift mich eine unbĂ€ndige Lust. Egal was die Gruppe denkt: ich werfe all meine Klamotten von mir und stĂŒrze mich in die Fluten. Die ErnĂŒchterung kommt schnell, denn gefĂŒhlte 5 Grad Wassertemperatur sind doch ziemlich kalt, aber das zuzugeben, wĂ€re jetzt echt blöd.

Nach der Mittagspause und einem wĂ€rmenden Sonnenbad folgt als weiteres SahnestĂŒckchen ein Ritt ĂŒber die Gammelstraße und ĂŒber das Strynefjell. Gammel ist die norwegische Bezeichnung fĂŒr alt und nach dem Bau einer neuen Umgehungsstraße ist sie eine heute kaum noch genutzte Strecke, erklĂ€rt uns Bernd „Es sei denn, du willst Abenteuer erleben wie wir jetzt.“ Kurve fĂŒr Kurve wird es kĂ€lter. Die Skistation, an der wir vorbei fahren, ist noch voll in Betrieb. Kurz danach halten wir. Unser Tourguide erklĂ€rt uns, dass es Tradition fĂŒr jeden Norwegenbesucher ist, aus herumliegenden Steinen Trolle zu bauen. Das soll GlĂŒck bringen. Dumm nur, dass die Steine unter der dicken Schneeschicht verborgen sind. Kurzentschlossen bauen wir einen Schneemann, hoffen, dass man uns diesen als Troll durchgehen lĂ€sst und das versprochene GlĂŒck uns hold ist.

Norwegen Motorrad Tour

Fahrt ĂŒber’s Sognefjell

Vor unserer RĂŒckkehr zum Camp am Geirangerfjord machen wir Halt am Dalsnibba, dem wegen seiner Aussicht beliebtesten Gipfel sĂŒdlich des Geirangers. Die mautpflichtige Straße windet sich ĂŒber sieben Kilometer hoch zum 1.495 Meter hohen Gipfel. Die Aussicht erkaufen wir uns mit 100 NOK pro Motorrad. Mein Fazit: Wer hier unterwegs ist, sollte das auf keinen Fall verpassen! ZurĂŒck am Geirangerfjord setze ich mich auf meine Terrasse und lasse den Tourtag Revue passieren.

Auch am nĂ€chsten Morgen scheint die Sonne mit aller Kraft und ich fragte mich ernsthaft, warum so viele meiner Bekannten meinen, das Wetter in Norwegen sei immer schlecht. Habe ich einfach nur GlĂŒck oder haben die keine Ahnung? Die RV 15 fĂŒhrt uns nach Lom. Hier befindet sich eine der Ă€ltesten Stabkirchen Norwegens, urkundlich 1270 erstmals erwĂ€hnt und jederzeit eine Besichtigung wert. Das Besondere an den Stabkirchen sind die Holzkonstruktionen, bei denen die horizontal liegenden Balken die WĂ€nde bilden.

„Ab jetzt steht eine besonders schöne Strecke auf dem Plan“, verspricht Bernd. „Es geht ĂŒber das Sognefjell.“ Der Mann macht keine falschen Versprechungen, das weiß ich. Die Route fĂŒhrt 20 Kilometer ĂŒber das Fjell, welches sich durch seine wellige StreckenfĂŒhrung von vielen anderen abhebt. Die kurvenreiche Straße mit teilweise lĂ€ngeren Geradeausstrecken geht stĂ€ndig bergauf und bergab. Vom Ende der Gruppe aus gesehen verschwindet eine Maschine nach der anderen in den Senken und taucht sogleich wieder auf. Ein lustiges Schauspiel. Da das Fjell ein perfektes Fotomotiv bietet, hatte das Begleitteam am Morgen angekĂŒndigt, Fahraufnahmen von uns zu machen. Wir bewegen uns auf knapp 1.400 Metern Höhe bei 3 Grad und dichtem Nebel, Sichtweite Null. Aus der Traum vom Fahrfoto – das Begleitteam, wenn es denn im dichten Nebel versteckt ist, hat keine Chance. Gelegentlich erspĂ€hten wir einzelne Zelte am Rand der Straße. Ich frage mich, wie man bei der KĂ€lte darauf kommt zu zelten – fĂŒr mich schier undenkbar! „Bei Sonnenschein ist es hier sicher wunderschön“, denke ich und versuche mich mit dem Gedanken an wĂ€rmende Sonne von meinen halberfrorenen Fingern abzulenken. Am Ende des Fjells ist die Welt wieder in Ordnung – es gibt Tee und Kaffee, die Temperaturen bewegen sich wieder im 2-stelligen Bereich.

„Von hier aus sind es nur noch 20 Kilometer bis zum nĂ€chsten Domizil fĂŒr diese Nacht“, erfahren wir. Die Temperaturanzeige meiner GS steigt stetig an, blauer Himmel und Sonnenschein pur begrĂŒĂŸen uns so, als wĂ€re es den ganzen Tag nicht anders gewesen. Die letzten Kilometer fĂŒhren uns entlang dem Lustrafjord mit seinem ruhigen, glasklaren Wasser und hier liegt auch unsere Bleibe fĂŒr heute. Wie gehabt: HĂŒtte mit mehr Blick – also, auf den See gerichtet – nur so ruhig, wie in den letzten NĂ€chten wird es nicht sein. Ein gigantischer Wasserfall am Ende des Fjordes sorgt hier fĂŒr „ÖkolĂ€rm“.

HĂ€tten wir doch Steine fĂŒr den Trollbau suchen sollen? Am Morgen ist der Himmel bewölkt. Ich lege die Regenkombi parat und denke „Es gibt kein schlechtes Wetter 
“. Das erste Ziel des Tages erreichen wir bereits nach 30 Minuten. Es ist der Nigardsbreen, eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen, des grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Festlandgletschers. Anfang des 19. Jahrhunderts bildete sich diese Gletscherzunge zurĂŒck und damit entstand ein großer Eisstausee. Um möglichst nah an die Gletscherzunge zu gelangen, nehmen wir die mautpflichtige Zufahrtstraße und dann ein Boot ĂŒber den See. Gletscher kenne ich von Bildern. Jetzt hier davor zu stehen und das blaue Eis von Jahrhunderten zu berĂŒhren ist schon beeindruckend. ZurĂŒck am Parkplatz geht es weiter auf der RV 55 nach Hella.

Mit dem Motorrad durch Europas lÀngsten Tunnel

Hier wollen wir mit der FĂ€hre nach Vangsnes ĂŒbersetzen. Tja, ein wenig zu lange getrödelt. Die FĂ€hre, die Bernd geplant hat, sehen wir gerade noch ablegen. Eine Stunde Wartezeit wĂ€re nicht so schlimm, wenn nicht das Begleitteam auf der anderen Seite des Sees mit dem Picknick auf uns warten wĂŒrde. Der Himmel zieht zu und es fĂ€ngt an zu regnen. Nass und verspĂ€tet treffen wir auf Speis und Trank, Gott sei Dank. Eine warme Suppe und frischer Kaffee verleihen uns neuen Schwung. Jetzt kann das Kulturprogramm kommen! Wir befinden uns am Fridtjof-Denkmal, direkt am Sognefjord gelegen. Das gigantische Monument, erschaffen vom deutschen Bildhauer Max Unger, ist ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II. an die Norweger.

Jetzt liegen noch 150 Kilometer bis zum nĂ€chsten Campingplatz vor uns und es regnet weiter, wenn auch nicht mehr ganz so heftig. Aufgrund der Wetterbedingungen schlĂ€gt Bernd den bequemeren, weil trockenen, Weg durch den LĂŠrdalstunnel, mit 24,5 Kilometern Europas lĂ€ngstem Tunnel, vor. Konstante 19 Grad und eine Besonderheit verspricht er uns. „Im Tunnel gibt es, immer im Abstand von 8 Kilometern, Grotten, die als Nothaltebucht und fĂŒr Wendemanöver bei Gefahr dienen. Außergewöhnlich ist, dass diese farbig beleuchtet sind. Man bietet dem Auge Abwechslung und schĂŒtzt so vor dem Tunnelblick“ lernen wir.

Wir ĂŒbernachten am LĂŠrdalsfjord. Seit sechs Tagen sind wir nun unterwegs, mehr als die HĂ€lfte der Reise. Wichtiger ist aber, was noch vor mir liegt. Am Folgetag erfahren wir die alte „Historic Route“ in Richtung Borgund, eine kleine, schmale und vor allem kurvenreiche Straße durch Felsklippen. Im Anschluss lockt uns die Stalheimskleiva, eine Schlucht, die frĂŒher Teil der alten Poststraße war. Hier windet sich die Fahrbahn mit 18 % GefĂ€lle und endlosen Spitzkehren in die Tiefe. „Nichts fĂŒr schwache Nerven“, mahnt der Guide und bietet denen, die sich das nicht zutrauen, die Umfahrung ĂŒber die E 16 an. Heute Abend kehren wir an den Platz zurĂŒck, an dem wir die erste Nacht der Reise verbracht haben. Je weiter wir nach SĂŒden kommen, desto besser wird das Wetter. In geselliger Runde verbringen wir den letzten Abend in diesem Land. Ein letzter Abend an dem die Sonne nicht untergeht.

Es gilt, Abschied zu nehmen. Von den Menschen, die zu Reisebeginn Fremde waren und die nun Freunde sind und von dem Land in das ich zurĂŒckkehren werde, um dann auf einer anderen Tour, die Lofoten und das Nordkap fĂŒr mich zu entdecken.

Ein Bröckchen norwegisch habe ich gelernt: „Tusen Takk“, was so viel heißt wie „Tausend Dank“.

„Tusen Takk“ also dem Team von ALMOTO fĂŒr die Organisation und die Betreuung und vielen Dank an Bernd, der uns begleitet und unser Wissen um dieses Land bereichert hat. „Farvel“ – das heißt „ Auf Wiedersehen“.

Hinweis: Die gefĂŒhrte Tour wurde vom Reiseveranstalter „Almoto“ organisiert.

Text: Manuela Wollny / Elke SchÀfer
Fotos: Manuela Wollny

MSD

Weiteres Tourenmaterial

Hinweis zum Kartenmaterial

Um die Nachfahrbarkeit unserer TourenvorschlĂ€ge zu gewĂ€hrleisten, bieten die hier angebotenen gpx-Downloads eine hohe Wegpunktdichte und sind mit dieser Datenmenge nicht auf jedem Navisystem direkt darstellbar. Zur Bearbeitung kannst du diese gpx-Dateien in das fĂŒr dein NavigationsgerĂ€t passende Routenprogramm importieren und dann in fĂŒr das GerĂ€t verdauliche Portionen aufteilen. Die endgĂŒltige DateigrĂ¶ĂŸe ist dann abhĂ€ngig vom Navi-Modell und der zugehörigen Software-Version. Solltest du keine Routensoftware besitzen, lĂ€sst sich diese Datei auch in den gĂ€ngigen Online-Routensystemen bearbeiten. Diese bieten fĂŒr nahezu alle GerĂ€te auf dem Markt die passenden Konvertierungstools.

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