Italien: Kultur rund um den Gardasee Motorradtour


Italien: Kultur rund um den Gardasee

Ausgangspunkt: Gardasee

Schönste Motorradstrecken, ansehnliche Naturschauspiele und grandiose Meisterwerke der Kunst – all das lĂ€sst sich vom Gardasee aus an einem Tag kombinieren. Wie oft schon haben mich Leute mit dem Sprichwort vom frĂŒhen Vogel, der den Wurm fĂ€ngt, genervt. Doch heute bin ich es zu meiner eigenen Überraschung selbst, der zu einem zeitigen Aufbruch drĂ€ngt. Dabei liegt der Grund klar auf der Hand: Neben ein paar Traumstraßen des Trentino und im Veneto möchten wir uns heute auch noch ein großes StĂŒck vom reichhaltigen Kulturkuchen der Region gönnen.

Italien: Kultur rund um den Gardasee

Schwindelerregende Fahrt den Berg hinauf

ZunĂ€chst folgen wir noch mit leichter MĂŒdigkeit in den Augen dem Tipp eines Bekannten und nehmen den schnellsten Weg nach Torbole Richtung Arco. In Vignole zweigt ein StrĂ€ĂŸchen nach Ronzo ab, dass uns den Schlaf bald mĂ€chtig aus den Gliedern treibt. Maximal in Traktorenbreite ausgebaut, schwingen sich die engen Kurven geradezu Schwindel erregend den Berg hinauf.

Der Blick von oben auf Arco ist wirklich atemberaubend. Vorbei an einem einsamen Rifugio und mehreren kleinen Siedlungen gelangen wir so nach Ronzo – und staunen, dass selbst in dieser Höhe noch fruchtbare Terrassen den passenden Boden fĂŒr Obst- und GemĂŒseanbau bereitstellen. An den HĂ€ngen des Monte Creino entlang rollen wir weiter nach Manzano, mal durch offenes GelĂ€nde, mal durch dichten Wald. Und dann windet sich der Weg hinab ins Etschtal, durch schier endlose Weinberge hindurch bis an den Rand von Rovereto, der neben Trento zweiten großen Stadt des Trentino.

Finster blickt das Kastell aus dem 14. Jahrhundert auf eine dafĂŒr umso schmuckere Altstadt hinab, in der vor allem venezianische EinflĂŒsse sichtbar sind. Zu dieser frĂŒhen Stunde gönnen wir uns einen Sightseeing-Exkurs und lassen die Bikes durch die schmalen Gassen nordwĂ€rts streifen. Nur wenige hundert Meter hinter dem Ausgang des historischen Zentrums erwartet uns das erste Ziel dieses Tages – und was fĂŒr eins!

Das MART – ein Tempel der modernen Kunst – ist gleichsam ein Architektur-Juwel, fĂŒr das der Schweizer Mario Botta verantwortlich zeichnet. Perfekt gelöst hat er das Problem, dass der Neubau quasi „im Hinterhof“ zweier Palazzi entstehen sollte. DafĂŒr entwarf er ein von klaren Linien dominiertes GebĂ€ude mit 12.000 Quadratmetern FlĂ€che rund um einen kreisrunden Innenhof, noch gekrönt von einer glĂ€sernen Kuppel. Diese FlĂ€che diente bei der Eröffnung 2002 einer extravaganten Vorstellung hunderter Artisten als Kulisse und steht seither fĂŒr kulturelle Veranstaltungen zur VerfĂŒgung.

Italien: Kultur rund um den Gardasee

Das Museum beherbergt dauerhaft die zuvor in Trento ansĂ€ssige Sammlung von Kunst des 20. Jahrhunderts sowie den privaten Nachlass von 3.000 Werken des Futurismus und des Novecento, die der KĂŒnstler Fortunato Depero bis in die 1960er Jahre in seinem Wohnhaus in Rovereto zusammengetragen hatte. Hinzu gesellen sich wechselnde Ausstellungen von teilweise globaler Bedeutung, zuletzt die wegen Renovierungsarbeiten ausgelagerte Kollektion des Kunstmuseums Winterthur. Es gibt also mehr als nur einen Grund, hier zu verweilen. Da wir aber an diesem Tag auch noch touren möchten, mĂŒssen wir uns auf einen Teilbesuch beschrĂ€nken – so schwer uns das angesichts der QualitĂ€t des MART auch fĂ€llt. Dennoch: Die Straße lockt und wir folgen ihrem Ruf.

Dazu begeben wir uns auf die SS46 Richtung Vicenza, die zum Monte Pasubio und der Fugazze Hochebene fĂŒhrt. Die Strecke folgt dabei eindrucksvoll einer tiefen Schlucht, die der Lenno di Valarsa ins Gebirge gegraben hat. Wir haben uns aus ZeitgrĂŒnden bewusst fĂŒr den besser ausgebauten, dennoch kurvenreichen Weg entschieden, können aber auf der gegenĂŒberliegenden Hangseite gut das schmale Band erkennen, welches zu einer parallel verlaufenden Bergstraße gehört.

Auf der Hochebene angekommen, zweigen wir zum Passo di Campogrosso ab und schwenken dann in das TeilstĂŒck nach Recoaro Terme ein. Alternativ hierzu kann auch der Passo Xon befahren werden, ein sicher ebenso spaßiges Unterfangen.

Nun befinden wir uns bereits im Veneto und werden uns darĂŒber klar, dass es jetzt kein ZurĂŒck mehr gibt – zumindest nicht auf absehbare Zeit. Die AuslĂ€ufer der Monti Lessini sind nĂ€mlich bis heute nicht von asphaltierten Wegen ĂŒberwunden worden. Also weiter sĂŒdwĂ€rts.

Erst bei Valdagno können wir in ein endloses GetĂŒmmel kleinster Straßen abzweigen, die uns ĂŒber den Bergkamm vorbei an Crespadoro und weiter zum Purga di Bolca bringt. Kaum zu glauben, dass hier inmitten der lessinischen Alpen ein bedeutender Fundort fĂŒr fossile Fische liegt. Denn dafĂŒr muss selbst diese Region ja schließlich mal mit Wasser bedeckt gewesen sein.

Italien: Kultur rund um den Gardasee

Fundort fĂŒr fossile Fische

Ein paar deftige KurvenschwĂŒnge tiefer erreichen wir das Val d‘Illasi und unverkennbar eines der umtriebigsten Weinbaugebiete. Valpolicella und Soave sind die bekannten Tropfen dieser Gegend. NatĂŒrlich rauschen wir im September mitten in die Hauptlesezeit hinein. Entsprechend verstopfen Treckerkolonnen mit gut gefĂŒllten AnhĂ€ngern voller Trauben die Hauptstraße, die uns auf schnellstem Wege zum nĂ€chsten Etappenziel bringen sollte: Verona. 

Als wir endlich in die NĂ€he der schon seit Römerzeiten immens wichtigen Metropole kommen, steigt in uns die Erkenntnis auf, dass es keine allzu gute Idee war, diesen Trip an einem Freitag zu unternehmen. Der Feierabendverkehr, in den wir geraten, ist irre. Aber einmal so weit gefahren, lassen wir uns den Genuss nicht nehmen und statten natĂŒrlich der Arena di Verona zumindest einen kurzen Besuch ab, wenn es schon nicht zu einer der weltberĂŒhmten AuffĂŒhrungen, etwa von Aida, reicht. Mit Blick auf das fast 2.000 Jahre alte GemĂ€uer genehmigen wir uns immerhin noch einen Aperitivo – fĂŒr mich ein alkoholfreier Sanbitter bestehend aus ZitrusfrĂŒchten und AlpenkrĂ€utern – wohl wissend, dass unser Abendessen noch lĂ€nger auf sich warten lassen wird.

Der Grund dafĂŒr zeigt sich schon kurz nach der Abfahrt aus der historischen Metropole: Wochenende und Gardasee! Die Stadt muss doch in wenigen Stunden menschenleer sein, so viele drĂ€ngt es an die Ufer auch unseres Ziels. Wir versuchen dem Chaos wenigstens teilweise durch Ausweichen auf Nebenstraßen zu entgehen, mit mĂ€ĂŸigem Erfolg.

Und so legt sich die Dunkelheit schon schwer ĂŒber den See, als wir Garda erreichen. Das beschert uns aber ein Erlebnis, das wir so ansonsten kaum in Angriff genommen hĂ€tten – eine Nachtfahrt auf der in orangefarbenes Licht getauchten Gardesana Orientale, der östlichen Uferstraße. Erstaunlich schnell fliegen die 40 Kilometer nach Torbole an uns vorĂŒber. Dabei lassen wir uns noch von den Illuminationen der Skaligerburg oder dem abendlichen Treiben in Malcesine begeistern, bevor wir mit knurrendem Magen, aber kulturell dank unterschiedlichster EindrĂŒcke gesĂ€ttigt, in den „Heimathafen“ Torbole zurĂŒckkehren.

Italien: Kultur rund um den Gardasee

Weinmuseum Bardolino

Wer sich aus Kunst und Kultur nicht ganz so viel macht, kann die gewonnene Zeit dafĂŒr gegen Ende der Etappe sinnvoll mit einem Besuch in einem Weinmuseum in der NĂ€he von Bardolino fĂŒllen.

Antike WeinbaugerĂ€te beherbergt die dem bekannten Weingut Zeni angeschlossene Ausstellung, die anlĂ€sslich des Wein- und Traubenfests von Bardolino im Jahre 1991 eröffnet wurde. Neben Informativem zur Geschichte des Weinanbaus und der langen Tradition der Weinerzeugung veranschaulichen zahlreiche historische GerĂ€te, Werkzeuge und Utensilien die verschiedenen Phasen der Weinherstellung. Wie es sich heutzutage gehört, können im Museum auch die Weine der Cantina Zeni probiert und gekauft werden. Das entschĂ€digt manche Sozia fĂŒr den langen Ritt und fĂŒllt den knappen GepĂ€ckraum mit genussreichen Mitbringseln fĂŒr die Heimat.

Dieser Tourentipp wurde von der Redaktion des Magazin ALPENTOURER erstellt. ALPENTOURER erscheint vier Mal im Jahr mit Infos zu den schönsten Motorradtouren zwischen Alpen und Adria.

Hinweis zum Kartenmaterial

Um die Nachfahrbarkeit unserer TourenvorschlĂ€ge zu gewĂ€hrleisten, bieten die hier angebotenen gpx-Downloads eine hohe Wegpunktdichte und sind mit dieser Datenmenge nicht auf jedem Navisystem direkt darstellbar. Zur Bearbeitung kannst du diese gpx-Dateien in das fĂŒr dein NavigationsgerĂ€t passende Routenprogramm importieren und dann in fĂŒr das GerĂ€t verdauliche Portionen aufteilen. Die endgĂŒltige DateigrĂ¶ĂŸe ist dann abhĂ€ngig vom Navi-Modell und der zugehörigen Software-Version. Solltest du keine Routensoftware besitzen, lĂ€sst sich diese Datei auch in den gĂ€ngigen Online-Routensystemen bearbeiten. Diese bieten fĂŒr nahezu alle GerĂ€te auf dem Markt die passenden Konvertierungstools.

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